Grundwissen Import, Export & Zoll: Ein aktueller Überblick

INHALTE
Das Wichtigste in Kürze
  • Zölle sind staatliche Abgaben auf grenzüberschreitenden Warenverkehr – sie schützen die heimische Wirtschaft und sind im Unionszollkodex (UZK) sowie nationalen Gesetzen geregelt.
  • Exporteure tragen die Verantwortung für die Ausfuhrabfertigung; Kosten und Risiken sollten vertraglich klar geregelt werden – häufig mithilfe der ‘Incoterms’.
  • Beim Import aus Drittstaaten sind Einfuhrzölle über den Europäischen Zolltarif (EZT) zu ermitteln – fehlerhafte Zollanmeldungen können teuer werden.
  • Es gelten Einfuhrbeschränkungen und -verbote, etwa für geschützte Tier- und Pflanzenarten – Verstöße werden streng bestraft.
  • Unternehmen benötigen eine EORI-Nummer bereits ab dem ersten Ein- oder Ausfuhrvorgang und müssen Waren exakt nach dem Warenverzeichnis bezeichnen.

Seit Jahrhunderten heben Staaten Zölle als Mittel der Wirtschafts- und Außenhandelspolitik ein. In den meisten Fällen verfolgen sie damit das Ziel, die heimische Wirtschaft gegen Konkurrenz aus dem Ausland zu schützen. In selteneren Fällen (bei Ausfuhrzöllen) soll der Export bestimmter Güter aus der heimischen Volkswirtschaft verhindert werden. Das Zollrecht beinhaltet eine Vielzahl von Vorschriften, die in unterschiedlichen Gesetzen und Verordnungen enthalten sind.

Sammeln Sie das nötige Grundwissen zum Thema Export, Import und Zoll!

Jeder, der zumindest hin und wieder Waren aus- oder einführt, sollte über ein profundes Grundwissen zum Thema Export und Import, Transport und Verzollung verfügen. Wirklich tiefes Wissen haben aufgrund der komplizierten Materie nur Spezialisten. Der gute Überblick ist aber wichtig, weil Verstöße gegen zoll- und außenhandelsrechtliche Bestimmungen regelmäßig mit hohen Strafen bedroht sind.

Zoll Grundwissen: Das sollten Sie wissen

Zölle sind Abgaben, die Staaten beim Wirtschaftsverkehr über Zollgrenzen hinweg einheben.

Zum Zoll-Grundwissen gehört der Überblick über die Rechtsnormen, welche die wesentlichen zollrechtlichen Bestimmungen enthalten. Das in der Europäischen Union relevante Zollrecht finden Sie im Zollkodex der Europäischen Union, kurz Unionszollkodex (UZK) genannt, sowie den dazu ergangenen Durchführungsvorschriften, den nationalen Durchführungsbestimmungen, dem Zolltarif der Gemeinschaften und in internationalen Abkommen, wenn sie zollrechtliche Inhalte haben. Nationale Regelungen gelten immer nur soweit, als europarechtliche Normen keine Regelung enthalten oder dem nationalen Recht eine entsprechende Gestaltungsbefugnis zuweisen. In Deutschland sind neben dem UZK insbesondere das Zollverwaltungsgesetz, die Zollverordnung und die Abgabenordnung zu beachten. Die deutsche Abgabenordnung zählt Zölle zu den Steuern.

Grundwissen zum Export

Von einem Export spricht man dann, wenn Waren aus dem Zollgebiet der Europäischen Union in ein Drittland verbracht werden. Wer regelmäßig mit dem Export von Waren zu tun hat, sollte sich ein fundiertes Grundwissen dazu aneignen.

Grundsätzlich ist der Exporteur für die Ausfuhrabfertigung zuständig, der Importeur hingegen für die Einfuhrabfertigung im Importland. Dies kann allerdings anders geregelt werden, so zum Beispiel dahingehend, dass der Verkäufer nicht nur die Ausfuhr-, sondern auch die Importformalitäten erledigt.

Im Exportgeschäft werden Waren oft über sehr weite Strecken mit unterschiedlichen Transportmitteln befördert. Dabei entstehen nicht nur Kosten, sondern auch Risiken, vor allem Verlust- und Schadensrisiken. Die Transportkosten sind gemeinsam mit den Kosten zur Risikoabsicherung (typischerweise Versicherungsprämien) sehr wesentlich für die Kalkulation des Warenpreises.

Wenn Sie Waren ins Ausland verkaufen, sollten Sie die unterschiedlichsten Aspekte der Ausfuhr mit ihrem ausländischen Geschäftspartner klar vertraglich regeln. Insbesondere gilt es, eindeutig festzulegen, wen von den am Export-Geschäft beteiligten Parteien welche Aufgaben und Verantwortungen treffen.

Wichtig ist es auch, die Kosten und Risiken klar zuzuteilen. Dazu gibt es immer wieder verwendete Vertragsklauseln, die in diesem Zusammenhang Verwendung finden. Die bekanntesten sind die “Incoterms” (“International Commercial Terms”). Diese werden von der Internationalen Handelskammer herausgegeben und regelmäßig überarbeitet. Es kommt ihnen allerdings keine Gesetzeskraft zu, sie werden nur verbindlich, wenn die Vertragsparteien privatrechtlich deren Geltung vereinbaren.

Von Bedeutung ist es, das richtige Transportmittel für die Exportware zu wählen. Die Entscheidung wird von der Art, der Größe und dem Gewicht der Sendung abhängen, sowie der Dauer des Transports und den Kosten. Für die Frachtkostenberechnung ist übrigen das Volumengewicht relevant. Sie sollten stets darauf achten, vom Transporteur eine klare und verbindliche Auflistung aller Preisbestandteile zu bekommen, die im Angebot enthalten sind.

Bei Kleinsendungen wird es sich in vielen Fällen anbieten, Kurierdienste mit dem Transport zu beauftragen. Darüber hinaus spielen der Transport mit dem LKW oder der Bahn, sowie die See- und die Luftfracht eine wesentliche Rolle. Bedenken müssen Sie, dass in manchen Fällen kombinierte Transporte (zum Beispiel LKW- und Seefracht) erforderlich sind. Von der Transportart hängt es oftmals ab, welche Transportpapiere zu erstellen und mitzuführen sind.

Seefracht-Sendungen kommen vor allem bei sperrigen Sendungen wie zum Beispiel großen Maschinen oder Anlagen in Betracht, lohnen sich aber in der Regel erst ab einem Transportgewicht von rund 500 Kilogramm.

Luftfracht bietet sich an, wenn eine besonders schnelle und verlässliche Zustellung erforderlich ist.

Beachten müssen Sie, dass für unterschiedliche Warenarten besondere Vorschriften gelten können, zum Beispiel für die Beförderung von Wertgegenständen oder bei Kühltransporten.

Wissenswertes zum Thema Import

Ein Import liegt vor, wenn eine Warensendung aus einem nicht zum Zollgebiet der Europäischen Union gehörigen Staat (Drittstaat) in das Unionsgebiet verbracht wird.

Die anzuwendenden Einfuhrzollsätze können Sie im Europäischen Zolltarif (EZT) abfragen. Dazu müssen Sie die 11-stellige Codenummer der Ware eingeben. Achtung: In den meisten Fällen werden Zollsätze nur dann korrekt angezeigt, wenn alle Stellen dieser Codenummer eingetragen werden. Es ist sehr wichtig, unkorrekte Abfragen und darauf beruhende unrichtige Zollanmeldungen zu vermeiden, weil der Importzoll beträchtliche Höhen – bis über 50% – erreichen kann.

Weil Importzölle sehr wesentliche Kostenfaktoren sind, sollten Sie noch vor einer Produktbestellung im Ausland die 11-stellige Codenummer ermitteln und die Zollbelastung recherchieren. Dies können Sie ebenfalls auf der EZT-Seite tun.

Abgesehen von Importzöllen müssen Sie beim Import aus Drittstaaten das deutsche Außenwirtschaftsgesetz beachten. Grundsätzlich sieht dieses vor, dass für den Warenverkehr mit dem Ausland keine Beschränkungen bestehen, es gibt allerdings nicht wenige Ausnahmen. So wird die Zulässigkeit der Einfuhr bestimmter Waren an die Erteilung einer Genehmigung gebunden, oder es sind für bestimmte Warenkategorien mengenmäßige Beschränkungen vorgesehen (so zum Beispiel im Textil- oder Stahlbereich).

Es gibt auch Einfuhrverbote, deren Verletzung üblicherweise besonders streng bestraft wird. Derartige Beschränkungen gibt es etwa für internationale geschützte Tier- und Pflanzenarten, die gar nicht in das deutsche Bundesgebiet gebracht werden dürfen. Diese strikten Beschränkungen bestehen zumeist im Interesse des Artenschutzes.

Wer ein Import-Geschäft betreiben möchte, muss eine Gewerbeanmeldung beantragen und ab einer gewissen Größenordnung eine Eintragung im Handelsregister vornehmen lassen, wenn nicht ohnehin bereits aufgrund der Rechtsform eine Registrierungspflicht besteht. Dies ist zum Beispiel bei Kapitalgesellschaften wie der AG oder der GmbH der Fall.

Wenn ein Unternehmen Exporte und Importe bei der Zollverwaltung anmelden möchte, muss es sich eine EORI-Nummer besorgen, und zwar schon ab dem ersten Ein- oder Ausfuhrvorgang.

Beachten müssen Sie, dass nach dem Warenverzeichnis für die Außenhandelsstatistik jede Ware genau bezeichnet werden muss.

Wenn Sie Waren importieren, fallen wie gesagt Zölle an. Dabei können Drittlandszollsätze zur Anwendung kommen, aber auch Vorzugszölle. Weiters können Zollbefreiungen zu beachten sein, zum Beispiel bei bestimmten Ländergruppen wie den Mitgliedsstaaten der EFTA (Europäische Freihandelszone) oder bei Entwicklungsländern. Dafür muss aber natürlich eindeutig nachgewiesen werden, dass die Waren tatsächlich aus den Gebieten, für die es Begünstigungen gibt, kommen.

Neben dem Zoll fällt in der Regel auch die Einfuhrumsatzsteuer an. Diese ist eine besondere Form der Umsatzsteuer. Unternehmen, die zum Vorsteuerabzug berechtigt sind, werden dadurch aber kostenmäßig nicht belastet, weil sie sich die Steuer von der Finanzverwaltung erstatten lassen können.

Gut zu wissen:

Wichtig ist, dass Ihr ausländischer Lieferant die Handelsrechnung ohne die ausländische Umsatzsteuer ausstellt. Zusätzlich zu den gelisteten Angaben können eventuell zusätzliche Anforderungen hinzukommen.

FAQ – Häufig gestellte Fragen

Der Unionszollkodex ist das zentrale Regelwerk des Zollrechts in der Europäischen Union. Er enthält die wesentlichen zollrechtlichen Bestimmungen und wird durch nationale Vorschriften – in Deutschland etwa das Zollverwaltungsgesetz – ergänzt.

Beim Export werden Waren aus dem Zollgebiet der EU in ein Drittland verbracht. Beim Import gelangen Waren aus einem Drittstaat in das Unionsgebiet.

Die 'Incoterms' ('International Commercial Terms') sind international anerkannte Vertragsklauseln der Internationalen Handelskammer. Sie regeln die Kosten- und Risikoverteilung im Exportgeschäft, sind aber nur verbindlich, wenn die Vertragsparteien ihre Geltung ausdrücklich vereinbaren.

Die geltenden Einfuhrzollsätze können im Europäischen Zolltarif (EZT) abgefragt werden. Dafür ist die korrekte 11-stellige Codenummer der Ware erforderlich. Eine fehlerhafte Eingabe kann zu unrichtigen Zollanmeldungen und hohen Kosten führen.

Die EORI-Nummer ist eine Registrierungsnummer für Unternehmen, die Waren bei der Zollverwaltung anmelden möchten. Sie ist bereits ab dem ersten Ein- oder Ausfuhrvorgang erforderlich und muss vorab beantragt werden.

Ja, bestimmte Waren dürfen gar nicht oder nur mit Genehmigung eingeführt werden. So sind beispielsweise international geschützte Tier- und Pflanzenarten vollständig vom Import ausgeschlossen. Verstöße dagegen werden besonders streng bestraft.

Die Einfuhrumsatzsteuer ist eine besondere Form der Umsatzsteuer, die beim Import aus Drittstaaten anfällt. Unternehmen mit Vorsteuerabzugsberechtigung werden dadurch jedoch nicht dauerhaft belastet, da sie sich die Steuer vom Finanzamt erstatten lassen können.

Hinweis

Bei der Erstellung der Inhalte für diese Website bemühen wir uns um größtmögliche Sorgfalt. Wir weisen jedoch ausdrücklich darauf hin, dass sich Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Inhalte jederzeit – auch kurzfristig – ändern können und diese zum gegenwärtigen Zeitpunkt möglicherweise nicht mehr gegeben sind. Darüber hinaus weisen wir darauf hin, dass die bereitgestellten Informationen nicht als individuelle rechtliche, steuerliche, finanzielle oder sonstige fachliche Auskünfte, Empfehlungen oder Beratungen zu verstehen sind. Sie können eine individuelle Einzelfallberatung durch eine fachkundige Person nicht ersetzen und eignen sich nicht als Grundlage von Entscheidungen. Informationen zur Haftung der Verzollungsbüro Butz GmbH finden Sie hier.

Diese Themen könnten Sie auch interessieren

Brexit-Update für Händler in UK und EU: Überblick für 2024

Brexit-Update für Händler in UK und EU: Überblick für 2024

Der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU) war ein epochales Ereignis, das für viele Veränderungen im internationalen Handel sorgte. Auch heute noch ist der Prozess nicht vollständig abgeschlossen und es kommt fortwährend zu Neuerungen. Einen Überblick zur aktuellen Situation...
mehr erfahren
Die US-amerikanische Handels- und Zollpolitik unter der Trump-Administration und die Auswirkungen auf die EU

Die US-amerikanische Handels- und Zollpolitik unter der Trump-Administration und die Auswirkungen auf die EU

Zollgebühren und Einfuhrabgaben zwischen der EU und den USA stehen erneut auf dem Prüfstand. War es vor wenigen Jahren noch ein scheinbar beigelegter Konflikt, so droht nun ein neuerlicher Zoll- und Handelskonflikt zwischen den USA und der EU. Schon die...
mehr erfahren
Ausgangsvermerke: Definition, Beantragung, Ausstellung

Ausgangsvermerke: Definition, Beantragung, Ausstellung

Wu00e4hrend des Ausfuhrvorgangs von Exportgu00fctern, die das Zollgebiet der Union verlassen, spielt der Ausgangsvermerk (AGV) eine zentrale Rolle. Er ist besonders aus steuerrechtlicher und zollrechtlicher Sicht von grou00dfer Bedeutung.In diesem Artikel erfahren Sie, was der Ausgangsvermerk ist, wann er ausgestellt...
mehr erfahren
Überblick: Der betriebliche Zollbeauftragte und die Zollabwicklung im Unternehmen

Überblick: Der betriebliche Zollbeauftragte und die Zollabwicklung im Unternehmen

Wenn Unternehmen Handel betreiben oder fu00fcr die Produktion und den Verkauf ihrer Waren Im- beziehungsweise Exporte notwendig werden, mu00fcssen verschiedenste Vorschriften eingehalten werden. Die Waren mu00fcssen u00fcberpru00fcft werden, ebenso sollte eine Kontrolle der Wareneigenschaften durchgefu00fchrt werden. All dies sind Aufgaben,...
mehr erfahren
Wie wird die Höhe der Zollgebühren bestimmt? – Wertzoll vs. spezifischer Zoll

Wie wird die Höhe der Zollgebühren bestimmt? – Wertzoll vs. spezifischer Zoll

Zoll - was genau ist das eigentlich? Und wann müssen Zollabgaben entrichtet werden?Zölle wurden bereits im Jahr 69 n. Chr. durch den römischen Kaiser Vespasian erhoben. Sie dienten und dienen dem Staat nicht nur der Generierung von Einnahmen, sondern auch...
mehr erfahren
Zollabwicklung Ausfuhr aus EU: Ausfuhranmeldung, Verfahren, Abfertigung & Dokumente

Zollabwicklung Ausfuhr aus EU: Ausfuhranmeldung, Verfahren, Abfertigung & Dokumente

Der Export von Waren in ein Land, das nicht der EU angehört, unterliegt besonderen Bedingungen. Für die Abwicklung der Ausfuhr ist der Zoll zuständig. Grundsätzlich ist es gestattet, Waren grenzüberschreitend zu transportieren. Es sind aber verschiedene Richtlinien und Formalitäten einzuhalten....
mehr erfahren